Mittwoch, 29. Oktober 2008

a bissele viel los hier...


Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Anfragen zum Thema "Aktualität des Blogs". Da hat man wenigstens das Gefühl ihr lest euch fleißig durch meine temporären Memoiren.
Leider habe ich zur Zeit viel zu tun und bin ordentlich im Stress. Dazu gehören 3-4 Seiten japanisch Hausaufgaben jeden Tag sowie eine Präsentation diesen Freitag die natürlich gut werden muss. Deshalb werde ich mich frühestens kommendes Wochenende um den Blog kümmern können und ihn aktualisieren. Es gibt ja genug erwähnenswertes.

Ich bitte um euer Verständnis und melde mich bald wieder.

Liebe Grüße,


Benjamin

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Tag 19: Was war, wird, ist...

Hallo alle miteinander,

nachdem nun doch einige Tage ins Land gezogen sind werde ich mich mal wieder um eine kleine Aktualisierung kümmern. Nun, was ist in den letzten Tagen interessantes passiert?

Korea-Food Part 2:

Nach meiner Fußballerfahrung von letztem Montag war ich erst einmal bedient. Bereits beim Okonomijaki-Essen an selbigem Abend spürte ich den Dank meiner Beinmuskulatur an das doch straffe Training. Muskelkater und auf den Knien sitzen verträgt sich nun mal doch nicht immer so gut. Als kleine Entschädigung für die Plagerei wurden Jesper und ich von unseren koreanischen Freunden am Dienstag zum Dinner eingeladen. Diese haben sich mal wieder selbst übertroffen. So fanden wir ein perfekt gedeckten Boden (mangels Tisch und Platz) mir jeder Menge leckerer Köstlichkeiten vor. Angefangen von Kimchi-Rice mit deutschen Würsten über selbst gemachten Okonomijaki bis hin zu Hühnerlunge war alles zu finden. Ja, ihr habt richtig gelesen. Hühnerlunge. Zum Glück habe ich schneller gegessen als das Dictionary der Koreaner übersetzen kann. Ich muss zugeben dass in Olivenöl angebratene Lunge mit einer sojaähnlichen Soße doch sehr köstlich ist. Auch wenn ich mich nach dem Bekanntwerden des Inhaltes doch eher an Okonomijaki und Kimchi orientiert habe. Zum Dessert servierten die 3 Mädels dann noch frische Orangen und getrockneten Tintenfisch. Der Tintenfisch ist wirklich Geschmackssache. Er riecht nach frischem Speck und sehr salzig, schmeckt jedoch süß und ist verdammt zäh. Da wir jedoch zu Gast waren „mussten“ wir natürlich probieren. Ich finde es doch bemerkenswert wie unterschiedlich die Geschmäcker weltweit sind. So kennen wir Europäer eher salzige Snacks wie Chips oder Süßigkeiten (Gummibärchen und Schokolade). Nach ausgiebigem Testen der gereichten Speisen und einer nicht zu verachtenden Menge an Sake und Bier ging es dann auch gegen 1:30 Uhr ins Bett. Ein durchaus gelungener Abend.

Ich möchte noch kurz anmerken dass ich hier NICHT zum Alkoholiker mutiere. Es ist jedoch schwer bei einem Überangebot alkoholischer Getränke wie Sake usw. nicht zuzugreifen. Man will ja schließlich die landestypischen Spezialitäten ausprobieren. *räusper*

Hier einige Bilder des besagten Menus:



Der Rest der letzten Woche verlief eher ruhig. So hatte ich einige Hausaufgaben für den Japanisch Unterricht sowie International Management zu erledigen und konnte meine wenige Freizeit damit verbringen Wäsche zu waschen, meinen Papierkram zu erledigen und mit meinen Liebsten zuhause zu telefonieren.

Am Samstag gab es jedoch ein kleines weiteres Highlight in meiner Zeit hier: Eine klassische Tee-Zeremonie im Shukein-Garden in Hiroshima-Downtown.


Tee und Gebäck:

Am Samstagmorgen hieß es um 8 Uhr bereits raus aus den Federn. Nach 2 Tassen besten japanischen Instant-Kaffees und einer heißen Dusche war ich dann auch wach genug um mich auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Während die Mädels bereits um 9 Uhr in Downtown sein mussten um Ihre Kimonos an zu ziehen durften wir eine Stunde später antanzen. So wanderte eine Gruppe sehr müde anmutender Internationals gegen halb zehn zum Bahnhof und traf sich dort mit den Guides. Die Zugfahrt bis zur Hiroshima-Station dauerte etwa 20 Minuten. Da mich seit Freitag Halsschmerzen und Fieber plagten kam es mir eher vor wie eine halbe Ewigkeit. Vom Bahnhof aus ging es dann etwa 15 Minuten zu Fuß in die Stadt mit Ziel Shukein-Garden. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt ist es doch sehr wunderlich, dass es mitten in Hiroshima einen Platz der Ruhe und Besinnung gibt. In der Grünanlage angekommen suchten wir noch das Teehaus wo wir dann auch herzlichst von unserer „Tee-Master(in)“ sowie den Verantwortlichen des International Office begrüßt wurden. Die Mädels hatten sich alle schon in Ihre von der Universität zur Verfügung gestellten Kimonos gezwängt und versuchten den Spagat zwischen elegantem Gang in Sandalen und ausreichender Sauerstoffzufuhr zu meistern. Dass die Kimonos doch sehr eng geschnürt wurden konnte man unter anderem an den roten Gesichtern der Mädels erkennen. Ganz Gentleman-like überliesen wir auch dann den Mädels den Vortritt zur Tee-Zeremonie. Da der Raum viel zu klein war um alle 30 Personen auf einmal zu beherbergen teilten wir uns in Gruppen. Erst alle Damen, dann alle männlichen Internationals und zum Abschluss die japanischen Guides.

Der (gekürzte) Ablauf der Teezeremonie schildert sich wie folgt:

1. Schuhe ausziehen und auf die Terasse des Hauses steigen

2. Auf die Knie gehen und Richtung Eingang des Hauses robben

3. Über die Türschwelle „sliden“

4. Aufstehen und zu einem kleinen Altar laufen

5. Auf die Knie gehen und sich vor einem Schriftband mit den Bedeutungen Respekt, Ruhe, Einsamkeit und Besonnenheit sowie einem Teegefäß und einer Blumenvase verbeugen (Die Blumenvase symbolisiert den zeitlichen Abschnitt des Jahres in dem die Zeremonie statt findet - bei uns waren es seltene Blumen die nur im Herbst zu finden sind)

6. Einen Platz suchen und auf die Knie gehen (die Hände dabei so halten, dass die Daumen nicht sichtbar sind)

7. Gebäck des Gastgebers entgegen nehmen und vor sich ausbreiten

8. Warten und der Zubereitung des Tees zuschauen

9. Warten bis alle im Raum mit Tee versorgt sind

10. Gemeinsam Gebäck essen

11. Tee trinken (3 mal ansetzen und dann alles auf einmal)

12. Warten bis die Teegefäße von den Helfern aufgeräumt werden

13. Beim Tea-Master bedanken (Verbeugung + Arigato gazaimasu) und versuchen aufzustehen

Letzterer Punkt ist nicht ganz einfach. Versucht doch mal etwa 20 – 25 Minuten auf den Knien zu sitzen. Ihr werdet euch wundern wo das ganze Blut und somit auch das Gefühl in den Füßen hin sind. Nach 5 Minuten hat sich das jedoch schon wieder gelegt und man kann annähernd stehen und laufen. Was mich an der Zeremonie etwas verwunderte war die Tatsache, das sich als einziger den Tee direkt vom Tee-Master bekommen habe während die anderen mit Tee aus dem Nachbarraum versorgt wurden. Ich könnte mir vorstellen dass die Tatsache, dass ich bei 25 Grad einen Schaal getragen habe und nicht wirklich fit aus sah dazu beigetragen hat. Ich hoffte auf jeden Fall auf eine besondere Wirkung des Tees. Im Anschluss an die Zeremonie hatten wir dann noch Gelegenheit die Gartenanlage genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier möchte ich die Bilder sprechen lassen:

Mit der Besichtigung fertig ging es nach Downtown zum Essen und shoppen. Ich trennte mich jedoch von der Gruppe und zog es vor das Bett meines Appartements aufzusuchen. Das letzte was ich hier gebrauchen kann ist eine Grippe oder Erkältung. Somit war ich bereits um halb 4 zuhause und verbrachte das restliche Wochenende im Bett.

Ergänzung: Am Sonntag-Abend waren die Halsschmerzen und das Fieber weitestgehend verschwunden. War es doch der Tee?


Was sonst noch alles passiert ist:

Moskito-Alarm und WLAN:

Da das Wetter zurzeit sehr schwankend ist und innerhalb weniger Stunden von Regen und 20 Grad in Sonnenschein und 28 Grad wechselt häuft sich die Anwesenheit ungeliebter kleiner Stechmücken die mein Blut wohl besonders lecker finden. So zähle ich bis heute an die 20 Stiche vorrangig in die Arme und der Oberseite meiner Füße. Dies wird auch noch dadurch begünstigt, dass meine (kabelgebundene) Internetverbindung durchs Fenster so etwas wie eine Einladung für Moskitos darstellt. Um dies zu ändern habe ich mich dazu entschlossen, mein Appartement durch den Kauf eines WLAN-Routers „Stechmückensicher“ auszustatten. Diesen Router habe ich am Sonntag in einem der großen Electronic-Stores in Downtown erworben und auch schon installiert. Es funktioniert tadellos und nach einer 2-stündigen Jagd in meinem Zimmer sehe ich auch (momentan) keinen lebenden Moskito mehr. Ich hoffe das wird so bleiben. Beim Kauf des Routers hatte ich noch ein sehr interessantes Erlebnis. Ich bin gegen 19:30 Uhr im Electronic-Store angekommen und genoss erst einmal das riesige Angebot an Computern, sehr interessanten Handys und mehr. Gegen 20:30 Uhr kaufte ich dann das WLAN-Modul und wollte den Store verlassen. Mich wunderte es dass ich wohl der einzige Kunde in dem ganzen Laden war. Am Ausgang angekommen fand ich dann auch die Erklärung. Ladenschluss war 20 Uhr. Meine mageren Japanisch-Kenntnisse zur Anwendung gebracht öffnete mir dann ein Mitarbeiter die Tür und entließ mich in die City. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich keiner der Mitarbeiter auch nur annähernd darüber beschwert, dass ich nach Ladenschluss noch durch den Store bummle. Das möchte ich mal in Deutschland erleben wo man bereits 5 Minuten vor Feierabend auf mehr oder weniger freundlichem Wege aus dem Laden „befördert“ wird. In Japan scheint der Kunde noch König zu sein.


Elementary-School und Potluck-Party:

Am Montag dieser Woche ging es an Stelle der Vorlesung an die Grundschule in Gion. Hier wurden wir vom Rektor empfangen und erfuhren, wie sich unsere ehrenamtliche Tätigkeit an der Schule gestalten wird. Was unsere Aufgaben sein werden und was wir beachten sollen. Ich bin schon sehr gespannt wie der Umgang mit den „kleinen Monstern“ dort sein wird und welche Erfahrungen ich sammeln darf. Start der Aktivitäten dort ist vermutlich um den 20. Oktober. Ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten.

Direkt im Anschluss an diese Vorstellung ging es zurück ins Appartement wo ich noch meine „Zutaten“ für die am Abend statt findende Potluck-Party vorbereitete. Die Party findet im Rahmen des International-Education-Internship-Programmes statt und soll die Kommunikation zwischen Japanern und Internationals sowie das überwinden der Sprachbarrieren zum Ziel haben. Ziel der Party war es, typische Landesspeisen oder Snacks mit zu bringen. Da ich am Wochenende noch etwas mit der Erkältung gekämpft hatte entschied ich mich für Würstchen mit Ketchup. Man könnte dies mehr oder weniger als typisch deutsche Landesspeise betrachten. Ich hoffe in naher Zukunft eine wirklich deutsche Speise zubereiten zu können um den Eindruck nicht allzu sehr auf German-Fast-Food zu lenken. Das ganze Prozedere (die Party) dauerte dann etwa 2 Stunden. Jeder probierte von Jedem was bei einem empfindlichen Magen doch sehr ausarten kann. So gab es polnische Suppe, portugiesischen süßen Reis, chinesisches Ei mit Tomate und japanische Snacks. Lediglich der konzentrierte Seetang welcher von den Japanern geliebt wird war nicht so ganz meins. Alles andere war lecker und zu meiner Freude waren die „Wiener“ innerhalb der ersten 2 Minuten weg. Ich hatte also den Geschmack getroffen.

Seht selbst wie es dort aussah:


Pizza-Party und Blick in die Zukunft:

Am Mittwoch waren wir im Kurosawa-Haus (das Gemeinschaftshaus der weiblichen Internationals) von Japanern zu einer Pizza-Party eingeladen. Einer der Japaner hatte wohl gute Verbindungen zu einer Pizzeria und konnte einen kleinen Preis-Nachlass aushandeln. Jedoch sind 3000 Yen (etwa 20 Euro) für eine normal große Pizza mit etwa 30cm Durchmesser etwas übertrieben. Aber so gestaltete es sich nun mal, wenn man in einem asiatischen Land europäisches Essen genießen will. Die Pizza war sehr fettig und auch der Geschmack war doch sehr different aber gut.

Dieses Wochenende findet in Hiroshima ein Sake-Festival statt dass wir alle gemeinsam mit den Verantwortlichen der Uni besuchen werden. Bilder und Erfahrungsbericht folgen. Des Weiteren stehen noch eine Überraschungs-Geburtstagsparty am Freitag sowie ein School-Festival am Sonntag auf der Agenda.

Nun werde ich mich meinen japanischen Hausaufgaben widmen und den Tag ausklingen lassen. In diesem Sinne, bis bald.

Benjamin


P.S.: Am Wochenende testete ich eine weitere Instant-Suppe. Auf den ersten Blick leckere Nudeln entpuppte sich der Inhalt der beiliegenden Zusatz-Packs als Fisch-Innereien und Tintenfisch-Tentakeln. Ich hab es gegessen. Über meine dabei enstandenen Gesichtszüge möchte ich aber nicht mehr verraten. Das nächste mal gibt es was "normales".