Sonntag, 1. Februar 2009

Zeit für ein Update


Hallo alle miteinander,

ich hoffe Ihr seid alle gut in das neue Jahr gestartet und habt den ersten Monat bereits in vollsten Zügen genossen. Wie ihr feststellen konntet habe ich meinen Blog in den letzten Wochen etwas vernachlässigt und mich voll und ganz auf den Endspurt des Studiums hier konzentriert. Dies bedeutet jedoch nicht dass es mir hier langweilig geworden ist. Ganz im Gegenteil. In den letzten Wochen habe ich vieles erlebt was ich nun wieder mit euch teilen möchte.


Neujahrsfood

Die Vorbereitungen zu Neujahr verliefen aus meiner Sicht relativ entspannt. Während der Großteil der Internationals nach Osaka, Tokyo oder gar China pilgerte um das neue Jahr zu feiern und das Geld aus dem Stipendium den örtlichen Wirtschaftskreisläufen zuzuführen entschied ich mich mein Neujahr in Hiroshima zu verbringen und meine Ersparnisse für meine Reise im Februar zusammen zu halten. Des Weiteren wollte ich diesen Tag auch meine(r)n lieben zuhause widmen um das Jahr gemeinsam ausklingen lassen zu können und auch gemeinsam ins neue zu starten. Der fürsorglichen Ader meiner Verwandten in Deutschland zu verdanken musste ich für mein Neujahrsmenu nicht wirklich viel einkaufen. Etwas Hackfleisch (200g – 598 Yen – 5 Euro), einen frischen Salat (298 Yen) und ein paar Gewürze sollten ausreichen um längst vergessene Kochkünste zu reaktivieren und mir in Japan ein typisch deutsches Menu zu zaubern. Das Ergebnis will ich euch nicht vorenthalten:



Hackfleischküchle mit Rotkraut und Klößen, dazu Salat ausm Supermarkt und ein kleines Fläschchen besten Hohenhaslacher Rotweins. Betrachtet man die Voraussetzungen unter denen ich gekocht habe finde ich mein Menu durchaus gelungen. Es hat in jedem Fall vorzüglich gemundet :)

Ihr werdet euch nun sicherlich denken: „Wie laaaaaangweilig“. Das kann ich mehr als verstehen schließlich sind wir Europäer es ja gewöhnt das neue Jahr mir großen Partys und Feuerwerk zu begrüßen. Hier gibt es jedoch weder das eine noch das andere. Um Mitternacht herrschte hier in Hiroshima Totenstille. Kein einziges Feuerwerk war zu bewundern geschweige denn konnte ich hören dass Menschen feiern. Es war einfach nur ruhig und bis auf die Tatsache dass Japaner am Neujahrstag in die Tempel pilgern bzw. manche den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres für heilig betrachten und deshalb nach Miyajima wandern könnte man meinen es sei ein Tag wie jeder andere. Somit bin ich mir sicher nichts von überaus großer Relevanz verpasst zu haben. Kurz nach Neujahr stieß ich dann noch mit den Koreanern, welche ebenfalls hier im Apartmentkomplex leben, an und verbrachte den Rest des Abends mit meiner „Madame“ und der Familie zuhause telefonierend vor dem PC. Ich hoffe inständig auf ein europäisches Neujahrsfest zum Ende diesen Jahres.


Japanische Spätzle

In der ersten Januarwoche machte ich meine bisher nicht von Handlungen gefolgten Drohungen war und "überzeugte" die Japaner, an einem Stück deutscher Hochkultur teilhaben zu können. Kurz gesagt: „Einladung zum Spätzlemachen“. Meine Überraschung war groß als die ursprüngliche Größe von 4 auf 8 Personen angewachsen war. Natürlich wurde ich meiner Rolle als Dirigent des Eier-Mehlteig-Konzertes gerecht und ließ den Teig mit den Händen zubereiten. Zu meinem Erstaunen wurden die Spätzle (fast) so gut wie zuhause. Perfekte Konsistenz und goldgelbe Färbung. Was will man mehr?! Hier nun ein paar Bilder des Abends:



Dazu gab es 2 Riesen Schüsseln Salat (welcher von einer Japanerin zubereitet wurde, die ein jahr bei einer schwäbischen Familie wohnte), Rahmsoße und eine Art Schnitzel (paniertes Fleisch).

Den Japanern haben die selbstgemachten „doitsu noodels“ so gut geschmeckt dass sie sich am Ende fast gestritten (emotionale Auseinandersetzung in Bezug auf die Gütertrennung unter Berücksichtigung der individuellen Nutzenmaximierung) hatten wer nun wie viel der übrig gebliebenen Spätzle mit nach Hause nehmen darf. Eine doch recht neue Erfahrung in diesem ach so kollektiv denkenden Land. :)

Mich hat es natürlich gefreut und so gingen wir alle, mich natürlich eingeschlossen, mit wohl gesättigtem Bauchgefühl gegen 23 Uhr nach Hause.


Mochi-making die x-te (Professional)

Wie alles in diesem Monat ging auch meine Tätigkeit für die Gion Community diesen Monat zu Ende. Als Abschluss ließen sich die Verantwortlichen dieses mal etwas ganz ausgefallenes einfallen. In der letzten Veranstaltung ging es darum Mochi herzustellen. Regelmäßige Blog-Leser werden sich an meinen etwas älteren Bericht zu dieser klebrigen Reismasse erinnern. Den Herstellungsprozess habe ich damals schon sehr ausgiebig beschrieben weshalb ich mich nun nicht unbedingt noch einmal wiederholen möchte. Hier nun ein Video des Herstellungsprozesses:



Alles in allem verbrachten wir etwa 3 Stunden dort zu. Es war ein Riesen Spaß und der Abschied von den teils leicht überdrehten Kids fiel mir am Ende dann doch etwas schwer als gedacht. Schon seltsam wie sehr die persönliche Einstellung zu Kindern geändert werden kann wenn man mal etwas mehr Zeit mit diesen kleinen Monstern zubringt. Ich hoffe zum Abschluss meiner Studienzeit hier ein Mochi-Professional-Certificate in die Hand gedrückt zu bekommen denn mittlerweile kenne ich doch fast alle Kniffe und Tricks dieser wirklich herausfordernden „Koch“-Kunst.


Okonomijaki in der Grundschule

Wenn wir schon bei Kindern sind. Auch die Lehrer der Grundschule wolltensich bei uns auf möglichst traditionelle Art bedanken. Zu diesem Ereignis, der Verabschiedung, wurden wir an die Grundschule beordert und uns wurde gezeigt wie man Okonomijaki selbst zubereitet und in welcher Reihenfolge die jeweiligen Zutaten gemischt werden müssen um ein möglichst schmackhaftes Endergebnis zu erreichen. Diese Art der Verabschiedung und Danksagung fand ich persönlich mehr als gelungen denn aus dem anfänglichen kulinarischen Genuss wurde mittlerweile eine recht ausgeprägte Sucht nach Okonomijaki. Es schmeckt einfach zu köstlich und dank unseren Lehrern der Grundschule bin mir nun auch sicher dieses Gericht in Deutschland nachkochen zu können. So sah das ganze dann aus:



Nachdem wir gemeinsam gegessen hatten wurden wir von den Lehrern verabschiedet und bekamen als Dank von der Rektorin ein selbstgefaltetes Aufbewahrungstäschchen für Chop-Sticks überreicht. Dies war der erste Moment in dem ich wirklich realisierte das meine Zeit sich hier langsam dem Ende nähert und ich in ein paar Wochen schon wieder zurück in Deutschland bin.


Brooom Brooom (Mazda)

Eines der Highlights des Faches „Practical Management“ war der Unternehmensbesuch bei Mazda. Gemeinsam mit den anderen Studenten und unserem Professor der gleichzeitig auch Direktor des International Office ist ging es am 23.01. mit dem Zug in Richtung des Firmensitzes der Mazda Corp.. Dieser befindet sich etwa 5 (Zug-)Minuten vom Stadtzentrum entfernt und man kann mit Recht behaupten dass Mazda eigentlich ein eigener Stadtteil ist. Ähnlich groß wie Daimler in Stuttgart präsentiert sich das gut gesicherte Gelände entlang des Hafens. Nach kurzer Begrüßung in der Empfangshalle wurden wir durch das Museum, einen Teil der Produktion und das Werksgelände chauffiert. Wer meine Affinität zu Mechanik und im speziellen zu Automobilen kennt weiß wie viele Bilder ich an diesem Tag gemacht habe. Hier nur ein paar ausgewählte Bilder aus dem Museumsbereich:



Final Exams – Final Paper

Es ist geschafft. In der letzten Woche habe ich meine letzten schriftlichen Ausarbeitungen und die letzten Klausuren geschrieben und somit den ökonomisch bildenden Teil meines Auslandsaufenthaltes weitestgehend abgeschlossen. Auf die Ergebnisse muss ich noch etwas warten aber alles in allem denke ich doch einen recht ordentlichen Notenschnitt mit nach Hause nehmen zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die abverlangten Leistungen nicht ganz dem Niveau deutscher Universitäten entspricht jedoch der Arbeitsumfang sich um einiges ausgeprägter darstellt. Nimmt man die einzelnen Final Papers zusammen so hat man annähernd den Umfang einer Diplomarbeit. Betrachtet man jedoch nur den Inhalt so wird ersichtlich dass die meisten Themen nur recht oberflächlich angesprochen und behandelt werden. Für mein Empfinden wäre eine Fokussierung auf Qualität anstelle von Quantität zielführender. So lernte ich immerhin sicher auf Englisch zu präsentieren, zu diskutieren und „akademische“ Arbeiten in einer fremden Sprache zu verfassen was zukünftig auch Vorteile mit sich bringen wird.


Karaoke

Als finales Programm zum Abschluss der Prüfungen luden uns die japanischen Studenten ein, gemeinsam eine Karaoke-Bar zu besuchen. Da mir dieser Eindruck bisher verborgen blieb schloss ich mich natürlich an und so kam es dass wir uns letzten Freitag in Downtown trafen um unsere geballten Sangeskünste zum Besten zu geben. Die Bar befand sich mitten im Stadtzentrum und war Teil eines Vergnügungskomplexes der außer Karaoke auch noch Spielautomaten, Bowling und vieles mehr anbot. Ich glaube jeder kann sich ein Bild davon machen, wie 20 Studenten, teilweise leicht alkoholisiert, in einem kleinen Raum versuchen zu singen. Weitere Kommentare möchte ich mir hier ersparen und auch zum Schutz einzelner Persönlichkeitsrechte gibt es die Bilder erst nach meiner Rückkehr zu sehen. Ich bitte um Verständnis. ;)


Blick in die Zukunft: Final Speech + URLAUB

Kommende Woche werde ich mit den anderen Studenten zusammen unseren offiziellen Abschluss des Studiensemesters zelebrieren. Hierzu habe ich in den letzten Wochen bereits meine Rede ins Japanische übersetzt und übe mich derzeit noch an der korrekten Aussprache. Aufgrund der Tatsache, dass die Studenten Ihre Abschlussrede hauptsächlich auf Basis von Danksagungen jeder erdenklichen Art und Weise formulieren wurden wir angehalten, einen Vergleich zu referieren. Ich konnte es mir jedoch nicht nehmen lassen am Ende doch noch einen kurzen Absatz hinzuzufügen der meine persönliche Danksagung beinhaltet. Aufgrund meiner Eindrücke die ich bislang von diesem Land gesammelt habe wird mir wahrscheinlich keiner den Kopf herunter reißen. Aber wir werden sehen.

Im Anschluss an meine Rede wird es dann noch eine kleine Verabschiedungsfeier geben. Danach gehen die meisten hier zurück in ihr Heimatland oder reisen außerhalb Japans. Ich werde die Zeit nutzen und gemeinsam mit dem am 06.02.2009 erwarteten Besuch einige japanische Städte und relevante Sehenswürdigkeiten besuchen. Kurz um: URLAUBSZEIT. Aktuell sieht die Reiseplanung folgende Aufenthalte vor:

- 06.02. – 11.02.2009: Hiroshima (Miyajima, Mount Takeda, Atombombenmuseum, usw.)

- 12.02. – 13.02.2009: Osaka und Kyoto

- 17.02. – 19.02.2009: Tokyo (evtl. einen Tag länger)

- 22.02. – 22.02.2009: Himeji und Okayama


Eventuell wird diese Planung noch um Fukuoka ergänzt was aber noch nicht endgültig entschieden ist.

Am 26.02.2009 werde ich morgens wieder meine Rückreise antreten und mich von diesem wundervollen Land verabschieden – Aber das hat ja zum Glück noch etwas Zeit.


Ich hoffe euch geht es gut und Ihr müsst euch nicht zu all zu sehr mit Frühjahrserkältungen herumschlagen (Gute Besserung nach Öschingen).

Bis dahin,

Liebe Grüße an alle, Benjamin

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Ich wünsche euch einen Guten Rutsch !!!

Wie bereits im Betreff angedeutet wünsche ich euch allen einen Guten Rutsch in Richtung 2009 und alles Gute (nur das Beste) fürs Neue Jahr.



Ich habe mich die letzten Tage wie schon angedeutet an meine Final Papers gemacht und komme einigermaßen voran. Zum Ausgleich habe ich mich in den letzten Tagen mit ein paar japanischen Freunden in Downtown getroffen und traditionelles japanisches Essen genossen. Ich bin mir zwar nicht immer sicher was ich gegessen habe aber mir hat es gemundet und mein Magen spielt gut mit. Mein Sylvester wird vorrangig daraus bestehen, leckeres deutsches Essen zu kochen und die Flasche heimatlichen Weines zu genießen welchen ich mir für dieses „Event“ aufgehoben habe.

Ich melde mich wieder im Neuen Jahr.

Sakunen wa taihen osewa ni nari arigatou gozaimashita.

昨年は大変お世話になりありがとうございました。

Minasama no gokenkou o oinori moushiagemasu.

皆様のご健康をお祈り申し上げます。

Benjamin

ベンジャミン


Ein internationales „frohes Neues“ geht in die folgenden Länder:

· Deutschland

· Japan

· Australien

· Indonesien (bzw. Thailand, Malaysia, Philipinen,…)

· Singapur

· Holland

· United States

· Tschechien

· Polen

· Portugal

· Spanien

· China (ihr müsst noch warten ;) )