Wunderschönen Abend alle miteinander,
Nachdem ich mich nun über einen Monat nicht mehr zu Wort gemeldet habe werde ich dies hiermit feierlich nachholen. Es ist ja nicht so als ob ich hier nichts erleben würde und mir vor lauter Langeweile kein passender Inhalt mehr einfällt. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Lasst mich jedoch mit meiner Erzählung in chronologisch vernünftiger Weise beginnen.
Haircut:
Nach dem meine Haarpracht auch unter den klimatischen Bedingungen Japans bestens am gedeihen ist habe ich mich nach zunehmendem Konsum von Shampoo und Haargel dazu entschlossen mir einen neuen Haarschnitt verpassen zu lassen. Zur Auswahl standen mir hier zum einen die flinken Hände einer koreanischen Austauschstudentin die jedoch keinerlei Ausbildung speziell in diesem Bereich vorweisen konnte. Zum anderen stand noch ein Super Friseur in DownTown zur Wahl dessen Preisgestaltung sich jedoch liebend gerne umgehend um den Großteil meines Stipendiums gekümmert hätte. Als letzte Alternative erinnerte ich mich an den Uni-eigenen Friseur von dem mir die japanischen Studenten hier schon die interessantesten aber auch furchterregendsten Geschichten erzählten. Nach intensivster Kosten-Nutzen-Analyse entschied ich mich in einem Anfall blinden Vertrauens für „Tor Nummer 3“, also den Uni-Friseur. Da jeder Entscheidung auch eine Handlung folgen sollte habe ich mich am Mittwoch, den 5. November im Anschluss an unsere Vorlesungen auf den Weg zum Friseur gemacht. Dabei wurde ich von einer japanischen Studentin begleitet die mich bei der Übersetzung meiner Wünsche unterstützen sollte. Der Friseur befindet sich in einem Nebengebäude der Universität und ist etwa 20qm groß. Dort angekommen blätterte ich erst einmal ein paar japanische Zeitschriften durch um der japanischen Friseuse wenigstens ein einigermaßen aussagekräftiges Bild meines „Wunschhaarschnitts“ präsentieren zu können. Ihr könnt euch nicht vorstellen welche Art von Frisuren in Japan als trendy gelten. Nachdem ich dann doch einen einigermaßen vertretbaren Schnitt gefunden hatte bemühte sich die japanische Studentin dann noch der Friseurin meine persönlichen Änderungswünsche näher zu bringen. Kurz darauf ging es dann auch los. Das ganze Prozedere hat in etwa 30 Minuten gedauert. Das waren die längsten Friseurminuten meines Lebens. Ich konnte nicht erkennen, dass die Dame beim Schneiden in irgendeiner Art und Weise nach System vorgeht oder wirklich weiß was sie tut. Umso überraschter war ich, als ich das Ergebnis im Spiegel betrachten durfte - positiv überrascht. Alles war genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Leider habe ich kein Bild von diesem Erlebnis werde jedoch das nächste Mal versuchen das ganze zu dokumentieren oder besser dokumentieren zu lassen denn ich gehe auf jeden Fall wieder dort hin. Der Nachmittagsspaß hat mich sage und schreibe 1300 Yen gekostet was zum damaligen Kurs fast exakt 10 Euro entspricht und als durchaus günstig anzusehen ist.
Schoolfestival:
Am 8. – 9. November fand an meiner Universität das alljährliche Schulfestival statt. Dieses Festival ist nicht zu vergleichen mit den Festivals in Deutschland denn hier gelten strikte Regeln. Zum einen wird an den beiden Tagen zu keiner Zeit Alkohol ausgeschenkt und zum anderen müssen alle Stände durch Studenten betreut werden. Das ganze endete auch spätestens um 18 Uhr. Natürlich durfte an diesem Festival auch kein Stand der Internationals fehlen. Zusammen mit den Koordinatoren des International Office und der Hilfe japanischer Studenten wurden bereits in der Woche vor Beginn des Festivals die Aufgaben vergeben. Meine Tätigkeit umfasste das (Mit-)Gestalten unserer eigenen Reklametafeln wie auch die Standbetreuung als Teamleiter. Ich konnte mich also bestens entfalten. Zum Verkauf boten wir die im Vorfeld hergestellten Mochi an. Diese gab es in Varianten mit Erdnuss und als „Oshiruko“ (Mochi mit einer süßen Bohnensuppe). Beide Varianten entsprechen nicht wirklich mir bekannten Geschmacksmustern oder sind in meinen Augen sehr delikat. Die Japaner liebten es jedoch sehr was uns zu einem satten Gewinn am Ende des Festivals verhalf. Interessanter weise hat unser Stand den höchsten Profit des gesamten Festivals abgeworfen. Soviel zum Thema: "Marketing braucht niemand..."
Macht euch aber doch selbst ein Bild davon, wie es dort aussah:
Das Ende des Festivals wurde durch ein kleines Feuerwerk eingeleitet welches ich jedoch aufgrund einer schönen Erkältung die mich am Sonntag ereilte nur vom Bett aus belauschen konnte. In diesem Sinne bleibt mir nur ein:
大石おしるこお願いします。(oishi Oshiruko onegaishimasu)
Dies war unser (zugegebenermaßen sehr erfolgreicher) Werbeslogan welcher soviel bedeutet wie „Leckeres Oshiruko - bitte sehr“.
Besuch aus Deutschland
In der Zeit vom 7. – 20. November war mein Bruder Sebastian auf seiner Urlaubsreise durch Japan und musste bei der Gelegenheit natürlich auch in Hiroshima vorbeischauen. Sinniger Weise konnte er natürlich auch seine weitere Rundreise von hier aus planen und nebenbei noch ein wenig Hotelkosten sparen. Mich hat es natürlich auch gefreut mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen. Abgeholt habe ich ihn am 10. November am Hauptbahnhof Hiroshimas. Dort gingen wir dann erst einmal gepflegt bei Starbucks einen Kaffee trinken um dann anschließend in Richtung Gion zu meinem Appartement zu wandern. Dort angekommen hieß es für mich ab in die Vorlesung und für Sebastian erst einmal relaxen. Im Anschluss an meine Vorlesung gingen wir dann noch gepflegt Okonomijaki essen wo wir dann auch auf ein paar andere Internationals stießen. Mit diesen haben wir uns dann später auch noch getroffen und ein wenig geplaudert.
Weitere Einzelheiten zu seinem Aufenthalt könnt ihr euch gerne bei ihm einholen denn in der Zeit in der er in Hiroshima residierte musste ich einiges für die Uni machen. Ein denkbar ungeschickter Zeitpunkt aber wir haben meinem Erachten nach das Beste daraus gemacht. Er hatte jedoch wohl kurz vor seiner Abreise die Befürchtung ich könnte verhungern und hat meine Schränke entsprechend mit Nudeln, vielen verschiedenen Soßen und Chips gefüllt. Hier für noch einmal vielen herzlichen Dank. Ich zehre heute noch davon. Was ich ebenfalls noch anmerken wollte ist die Tatsache, dass sein ausgeprägter kulinarischer Sinn uns allabendlich zu bestem Sushi verhalf. Alles in allem hatte ich am Ende das Gefühl mehr von seinem Aufenthalt zu haben als er selbst. Also, falls du das lesen solltest: いろいろとありがとうございました
Sein Aufenthalt in Hiroshima endete dann auch am 19. November so wie er begonnen hatte. Mit einem leckeren Starbucks-Kaffee. Hier noch ein paar ausgewählte Bilder:
Bevor mir an dieser Stelle Klagen kommen: NEIN, wir haben nicht nur getrunken. Dummerweise war meine Kamera nicht immer griffbereit und deshalb gibt es mehr Schnapp(s)schüsse :)
1-Day-Trip
Ein weiteres Highlight meines Aufenthaltes hier war der vor 2 Wochen statt gefundene Ein-Tages-Ausflug. Dieser beinhaltete den Besuch einer Apfelplantage mit anschließendem Barbecue sowie den Besuch eines japanischen Schauspiels. Wir trafen uns bereits morgens um 9 Uhr zur Abfahrt. In einem recht großen Bus ging es dann erst zur etwa 1,5 Stunden entfernten Apfelplantage. Dort findet man tatsächlich nur absolut saubere Äpfel ohne Würmer oder Druckstellen. Wir hatten etwa 40 Minuten zeit um uns von den Äpfeln dort die schönsten zu pflücken und zu essen. Jedoch durften wir nur 2 davon mit nach Hause nehmen. Aber wenn man schon so viel essen darf wie man möchte ist das zu verkraften. Ich habe in diesen 40 Minuten meinen vernachlässigten Vitaminhaushalt der letzten Wochen ins reine gebracht und mehrere verschiedene Apfelsorten probiert. Ich kann euch jedoch versichern dass massiver Konsum von Äpfeln in recht kurzer Zeit selbst für europäische Mägen sagen wir ein wenig "schwierig" ist.
Hier ein paar Bilder davon.
Das Barbecue besteht hier nicht aus richtigen, vernünftigen Steaks sondern es handelt sich beim Grillgut um dünne "Fleischstreifen". Ein weiterer Punkt auf meiner Liste: "Kulturelle Unterschiede oder ...warum ich lieber in Deutschland grille".
Anschließend gab es noch ein kleines Grillfest bei dem wir zwar soviel grillen durften wie wir essen konnten jedoch einer zeitlichen Restriktion unterlagen. Somit konnten wir „nur“ 6 Fleischplatten vernichten was aber immerhin zu einem angenehmen Völlegefühl führte. Anschließend ging es dann in den Bus und wir fuhren weiter zum besagten Schauspiel. Dieses fand in einem traditionell gehaltenen Ambiente in einem kleinen Ort dessen Namen mir bis heute unbekannt ist statt. Es war sehr interessant zu sehen welche Figuren dargestellt werden und wie die durch mit Japanern prall gefüllte Halle jubelte wenn diverse Gesten dargestellt wurden (leider verstanden wir den Sinn manchmal nicht sofort aber es war sehenswert). Ich glaube es handelte sich um "Dämonen" die von seeeehr tapferen Samurai in die Flucht geschlagen werden. Dies war bei der Aufführung etwa 7 mal der Fall und der Oberdämon mit weißen Haaren lebte immer noch. Vielleicht sollte man die "Kampfkunst" der Samurei glaubhafter darstellen? Nun ja, es sollte amüsant sein und das war es. Wenn jemand den Namen des weißen Oberdämons weiß bitte in die Kommentare. Ich würde ihn gerne fragen wie er so oft überleben konnte.
Hierzu gibt es natürlich auch ein Bild.
Anschließend hatten wir noch die Gelegenheit uns im Umfeld der Halle umzuschauen bevor wir uns gegen 17 Uhr auf den 2-stündigen Rückweg machten. Die Vergütung von 1000 Yen welche wir für den zahlen mussten war mehr als angemessen und ich würde mich sofort wieder für einen Trip dieser Art entscheiden.
Mount Takeda – I was there…
Am 22. November hatten wir Studenten die Möglichkeit, zusammen mit einigen Kindern und Verantwortlichen der örtlichen Gemeinschaft den sich hinter der Universität befindlichen Berg „Mount Takeda“ zu besteigen. Da ich durch meinen Opa bezüglich der Thematik „Berge“ in meiner Jugend bestens geimpft wurde konnte ich natürlich nicht absagen und habe mich bereits frühzeitig für dieses Event angemeldet. Zusammen mit lediglich 2 anderen Internationals trafen wir uns am Morgen des 22. November in der Nähe eines großen Einkaufszentrums. Dort bekam ich von einem der Verantwortlichen Senioren, welche diese Tätigkeit ehrenamtlich ausüben, einen Plan unserer Tour überreicht. Kurz darauf ging es dann auch los. Nach etwa einer halben Stunde machten wir schon den ersten Halt an einem kleinen Rastplatz. Dort hieß es dann erst einmal gemeinsam Morgengymnastik machen und die Muskeln aufwärmen bevor es an klettern geht. Ehrlich gesagt war es weniger klettern als mehr wandern aber das kommt natürlich auf die Sichtweise an. Die Kinder mussten teilweise ganz schön klettern um größere Steine hoch zu kommen. Nach etwa 3 Stunden (ich hätte es alleine in einer geschafft aber man sollte die Kinder ja nicht den berg hinauf scheuchen - nicht wahr Opa?!) durch den herbstlichen Wald, vorbei an vielen interessanten historischen Plätzen kamen wir dann um kurz nach 12 Uhr am Gipfel des Berges an. Hier hatten wir 45 Minuten Pause, vertilgten unser mitgebrachtes Lunchpaket und genossen den phänomenalen Ausblick.
Schaut euch einfach die Bilder an:
Zurück ging es dann Punkt 13 Uhr. Natürlich gab es auch auf dem Rückweg einiges zu entdecken und es war alles andere als langweilig. Gegen 18 Uhr war ich dann auch wieder zurück in meinem Appartement und komplett erledigt. Dieser Ausflug hat meine Erwartungen jedoch um ein vielfaches übertroffen. Auch die Erwartungen verbunden mit Muskelkater. Ich erwartete er tritt NICHT auf.
Was sonst noch so war:
Vor etwa 2 Wochen hatten wir abends eine kleine Einführungsveranstaltung zum Thema „Sushi & Okonomijaki – do it yourself“. Diese wurde von japanischen Studenten organisiert welche uns ausführlich zeigten wie man Sushi rollt und Okonomijaki zubereitet. Was soll ich groß erzählen? Es war ein riesen Spaß. Hier aber Bilder davon:
Letze Woche hatten wir hier unsere Midterm-Exams in Japanisch. Auf diese musste ich mich natürlich entsprechend vorbereiten weshalb ich auch erst jetzt meinen Blog aktualisiere. Die Prüfungen waren in 3 Bereiche unterteilt:
· Conversation (eine 15-minütige Unterhaltung auf Japanisch)
· Vocabulary & Grammar (ein klassischer Frage-Antwort-Test)
· Listening & Reading (Fragen zu einem vom Lehrer vorgesprochenen Sachverhalt beantworten sowie 3 japanische Artikel lesen und daraus Fragen beantworten)
Die Ergebnisse werde ich erst nächste Woche erhalten. Dass ich diese Prüfungen jedoch bestanden habe kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen. Jedoch war es um einiges schwerer als die vorangegangenen Probe-Prüfungen. Für die finalen Prüfungen im Januar werde ich noch ein wenig mehr lernen müssen.
Dieses Wochenende habe ich weitestgehend „frei“ und werde mich mal daran machen, die abschließenden schriftlichen Ausarbeitungen zu gliedern. Sobald es wieder etwas Neues gibt werde ich euch natürlich informieren. Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr genießt die Adventszeit.
Viele Grüße,
Benjamin
PS.: An dieser Stelle auch ein herzliches HAPPY BIRTHDAY nach Frankreich!
PPS.: Besonders liebe Grüße gehen auch ins ES-KH (Zimmer 311) - Gute Besserung!


















2 Kommentare:
Danke Schatz, aber Geburtatag ohne dich macht echt keinen Spaß :-( Müssen wir nächstes Jahr eben doppelt feiern ;-)
Ach, und ich werde in Deutschland für dich schon mal das schönste und größte Steak suchen, damit du gleich loslegen kannst mit RICHTIGEM Grillen... ;-)
...gut Ding muss eben Weile haben...
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