Samstag, 20. September 2008

Tag 6: emotional touch

Wie bereits gestern angesprochen sollte es heute wieder nach Downtown gehen. Diese „Downtown-tour“ mit japanischen Studenten und Vertretern des International Office sollte uns einige historische Hintergründe Hiroshimas näher bringen. Los ging es um 10 Uhr. Da wir ja bereits am Vortag mit dem Bus in die City sind hatten wir wenigstens eine grobe Vorahnung wie das Ganze funktioniert. Hier steigt man in die Busse ein, zieht ein Papierkärtchen mit einer Nummer und verfolgt dann aufmerksam die Anzeige im Bus. Die Nummer auf dem Kärtchen entspricht dem zugestiegenen Ort (Haltestelle) und wird dann durch den auf der Anzeige aufleuchtenden Yen-Betrag ergänzt. Das Geld muss man bereits während der Fahrt bereit halten. Sollte man nur Scheine haben so muss man diese während der Fahrt beim Busfahrer wechseln (kleiner Automat) um das Ausstiegsprozedere so schnell wie möglich hinter sich bringen zu können. Die Japaner scheinen Wartezeiten gegenüber sehr abgeneigt zu sein was ich nur begrüßen kann.

In Downtown angekommen wurden wir in kleine Gruppen á ca. 6 Mann eingeteilt und begaben uns auf unsere Tour. Da es mittlerweile kurz nach 11 war ging es erst einmal zum essen. Wir entschieden uns für ein traditionelles japanisches Restaurant. Die Folgen dieser Entscheidung könnt ihr den folgenden Bildern entnehmen. Ich gehe davon aus ca. 10% der mir vorgesetzten Speisen identifiziert zu haben. Der Rest ist ein großes Fragezeichen. Somit wurde auch nicht alles probiert da eine komische Kugel aus Fischinnereien doch nicht so ganz appetitanregend war.



Nach etwa einer Stunde in diesem Restaurant ging es dann auf die angesprochene Tour. Erster Halt war das Hiroshima Castle. Diese Burg liegt mitten in Hiroshima und wurde durch die Atombombe 1946 bis auf die Grundmauern zerstört. In den 50er Jahren dann rekonstruiert konnten wir zumindest einen groben Ein druck davon bekommen, wie es im früheren Hiroshima ausgesehen haben könnte bzw. wie die entsprechenden Herrscher residierten. Ich lass hier mal ein paar Bilder sprechen da es zu viel wäre alle Eindrücke nieder zu schreiben.


Im Anschluss an die Besichtigung der Burg ging es quer durch die City zum Peace Memorial Park. Diese Parkanlage beinhaltet auf der einen Seite den Atombombendom (über diesem Gebäude ist in etwa 600 Metern Höhe die Bombe explodiert und die Mauern stehen bis heute noch – sehr verwunderlich) und auf der anderen Seite eine weitläufige Parkanlage mit einem gigantischen Museum. Da es an diesem Tag ca. 32 Grad hatte und verdammt schwül war gingen wir vor dem Museumsbesuch Eis essen. Ich entschied mich für „Grüner-Tee-Eis“ was nicht so ganz meine Geschmacksrichtung war. Es schmeckt etwa wie Pappe und lässt sich wirklich nur schwer genießen. Zum Glück tauschte einer der jap. Studenten mit mir und ich genoss somit ein Eis das sehr süß und leicht chemisch schmeckte. Jeder kennt das blaue Eis (Schlumpfeis) aus Deutschland. Dieses ungefähr 10 mal süßer. Aber Hauptsache eine Abkühlung.



Nach dieser „Erfahrung“ ging es dann auch ins Museum. Hier gibt es alles zu sehen was mit der historischen Entwicklung Hiroshimas bis zum Zeitpunkt der Bombe und danach zu tun hat. Ich werde hier keine Eindrücke niederschreiben da ich jedem nur empfehlen kann dies selbst zu erleben. Es ist ein sehr bedrückendes Gefühl verbrannte Kleidung von Schulkindern oder stehen gebliebene Armbanduhren zu betrachten. Fotos machen ist in dem Museum nicht erlaubt weshalb ich auch keine präsentieren kann. Es war auf jeden Fall der bewegenste Teil des Tages. Wer weitere Infos möchte schaut bitte hier vorbei:

http://www.pcf.city.hiroshima.jp/index_e2.html



Die Besichtigung des Museums dauerte ca. 2 Stunden. Als wir fertig waren wurde noch ein wenig über das Erlebte diskutiert bis wir dann durch unseren „Guide“ in Richtung City geführt wurden. Da wir noch etwas Zeit hatten probierten wir ein Café aus. Ich hatte schon lange Zeit kein derart Gutes koffeinhaltiges Heißgetränk genossen.

Gegen 19 Uhr verließen wir dann alle wieder geschlossen Downtown und machten uns auf den Weg zurück zu den Appartements. Kurzerhand wurde der Heimweg dann um geplant und etwa 20 Mann (und Frauen) pilgerten in das Appartement unserer indonesischer und portugisischer Mitstreiter. Dass wir dort sicher keine Tee-Zeremonie abhielten könnt ihr euch vorstellen. Ich kann jedoch sagen dass ich mittlerweile ca. 10 verschiedene japanische Biersorten probiert habe. Es stehen also noch einige aus. Um etwa 4 Uhr morgens war ich dann zurück in meinem Appartement und froh mein Klappbett nutzen zu können.

Da wir morgen wirklich so etwas wie Freizeit haben werde ich wohl in die City laufen und Dinge wie neues Besteck, Tasse, Teller und Aschenbecher einkaufen. Der Rest wird gegammelt. Vielleicht noch Wohnung sauber machen und abends bei einem gemütlichen Gerstenwasser den Abend ausklingen lassen. Da am Montag die Uni beginnt werden sich meine Berichte wohl ab sofort kürzer gestalten. Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß am Lesen und wünsche euch alles Gute.

Matane, Benjamin

Freitag, 19. September 2008

Tag 5: Okonomijaki?

Nach meinem Sake-Selbstversuch gestern begann der Tag heute etwas schwerfälliger als sonst. Zu allem Überfluss wurde der Start auch noch durch ein offizielles Treffen mit der Dame des International Office sowie dessen Direktor versüßt. Eine heiße Dusche bewirkt jedoch Wunder und so ging es pünktlich um 10 Uhr Richtung Kodokan. Da dieses Gebäude der Uni nur etwa 5 Minuten entfernt ist war ich mehr als pünktlich und konnte mich noch mit den anderen Internationals, die wir zum Teil das erste Mal sahen, unterhalten.

Die Einweisung bestand im Groben und Ganzen aus nicht viel Neuem. So sollen wir die Kultur respektieren, uns anpassen, genau beobachten, etc.. Wenn man nicht unbedingt aus dem letzten Winkel der Welt kommt und etwas gesunden Menschenverstand und Feingefühl mitbringt wird man von den Japanern immer herzlichst empfangen und muss sich keine Gedanken machen. Bei Unsicherheiten sollte man jedoch bei Vertrauten nachfragen um nicht unbewusst in ein tiefes Fettnäpfchen zu treten. So habe ich mich beispielsweise erkundigt, was als Raucher alles zu beachten ist. Es gibt zwar keine niedergeschriebenen Gesetze, welche einem die Raucherei direkt untersagen aber es gibt doch so etwas wie einen Verhaltenscodex. Genaueres dazu kann ich gerne jedem Raucher persönlich mitteilen. Im Allgemeinen gibt es jedoch nur folgendes zu sagen: Rauchen während des Laufens = NO, Rauchen in Bevölkerungsdichten Gegenden (Innenstadt) = NO, Kippe wegwerfen = NONO usw. Ich habe noch gegen keine dieser Regeln verstoßen und werde mich auch bemühen dies weiterhin beizubehalten. Man repräsentiert schließlich nicht nur sich selbst sondern auch ein Teil des Landes.

Im Anschluss an die obig genannte Unterweisung ging es durchs Gebäude um dieses genauer zu besichtigen und offene Fragen der anderen zu beantworten. Was mich positiv überraschte war die Möglichkeit, sich Meetingräume auch zum Meditieren anzumieten. Natürlich kostenfrei. Des Weiteren gibt es im Untergeschoss eine Cafeteria welche sich „Coffee-Time“ nennt. Hier besteht die Möglichkeit einfach nur gemütlich Kaffee zu trinken oder auch zu essen. Dies wird jedoch alles von Studenten der Uni organisiert. Von der Bestellung des Essens beim Großhandel übers kochen bis hin zum servieren. Die Preise sind jedoch im Vergleich zur Mensa sehr hoch. Ein gutes Menu kostet an die 2.000 Yen. Sobald ich mein Stipendium bekomme werde ich mir diesen Luxus aber natürlich einmal gönnen (und berichten). Anbei ein Bild des Gebäudes:



Die Besichtigung beendet hatten wir ausnahmsweise etwas Freizeit. Ich blieb also gleich im Gebäude und checkte Emails, telefonierte via Skype und erledigte Kleinkram der nun einmal liegen bleibt wenn kein Internet verfügbar ist. Schlimm wie abhängig man doch ist.

Am späten Abend trafen wir uns dann alle gemeinsam, um Hiroshima´s Downtown zu erkunden. Zuvor haben wir uns jedoch endlich einen großen Wunsch erfüllt: Okonomijaki! Es war lecker und bis auf die etwas niedrigen Tische auch recht angenehm zu sitzen. Sehr gut gesättigt und 600 Yen ärmer ging es zur Bushaltestelle (etwa 15 Minuten zu Fuß).



Nach etwa 20 Minuten Busfahrt kamen wir mitten im Zentrum des Geschehens an. Aus dem Bus raus und in die erste Kneipe mit dem Namen „Malloy´s Room“ herein vergingen keine 5 Minuten. Zu meiner Überraschung gab es hier alle nur erdenklichen Biersorten (gut, das ist übertrieben, aber die Auswahl war nicht von schlechten Eltern). So genoss ich ein herrliches Bier im 5. Stock mit Blick auf die Flaniermeile der Stadt.

Ein perfekter Kennenlern-Abend und dazu auch noch ein leckeres kühles Bier. Was will man mehr. Nun ja, aus dem Fenster des Irish-Pub, welches mit überraschend vielen Europäern gefüllt war, erspähten wir ein blinkendes Schild in einem Wolkenkratzer: „The Shack – OPEN“.



Nun, was machen Internationals die ein Schild sehen und dessen Bedeutung nicht kennen? Sie gehen hin! Interessanterweise war diese Kneipe im gleichen Stil wie die vorherige und auch gut besucht. Dies mal jedoch überwiegend von Asiaten. Nach kurzer Rücksprache unserer zuständigen Person vom International Office, welche an diesem Abend mit dabei war, bekamen wir auch einen Tisch. Die Bedienungen notierten sich die Namen während sie die Bestellung aufnahmen. Es erinnerte leicht an das Prozedere bei Starbucks. Wer da wohl bei wem abgeschaut hat? Mein Bier kam auf jeden Fall nach kürzester Zeit an und wir unterhielten uns weiter ausgelassen. Um ca. 1:30 Uhr ging es dann auf den Rückweg. Da um diese Uhrzeit keine Busse mehr nach Gion fuhren hieß es ein Taxi ordern. Das Problem hierbei ist nicht das „rufen“ eines Taxis sondern die Frage, wie man die anderen 10 Taxen welche übrig sind auf elegante Weise wieder los wird. Wir entschieden uns für „Schweigen“. Da einige von uns noch etwas Hunger hatten (was sicherlich an der Cheeseburgerreklame lag) wollten wir noch zu einem Mc Donald und einen Mitternachtssnack einnehmen. In Japan übrigens „Maco Donaldo“ gesprochen. Der Taxifahrer fuhr uns etwa 10 Minuten in Richtung Heimat bis wir ein Schild sahen: Mc Donald´s – 24h OPEN. Erst als das Taxi wieder weg fuhr sahen etwa 10 Mann, dass der Laden zu hatte. Jetzt kann man denken was man will. Somit hieß es 30 Minuten Fußmarsch zurück ins Appartement. Hier übrigens ein Bild der Unterkunft:



Nach diesem doch anstrengend Fußmarsch waren wir froh zuhause zu sein. Morgen sollte es schließlich nochmals nach Downtown gehen. Dann aber mit historischem Hintergrund. Ich werde darüber schreiben wenn es die Zeit erlaubt. Bis dahin: Gute Nacht, Benjamin