Freitag, 19. September 2008

Tag 5: Okonomijaki?

Nach meinem Sake-Selbstversuch gestern begann der Tag heute etwas schwerfälliger als sonst. Zu allem Überfluss wurde der Start auch noch durch ein offizielles Treffen mit der Dame des International Office sowie dessen Direktor versüßt. Eine heiße Dusche bewirkt jedoch Wunder und so ging es pünktlich um 10 Uhr Richtung Kodokan. Da dieses Gebäude der Uni nur etwa 5 Minuten entfernt ist war ich mehr als pünktlich und konnte mich noch mit den anderen Internationals, die wir zum Teil das erste Mal sahen, unterhalten.

Die Einweisung bestand im Groben und Ganzen aus nicht viel Neuem. So sollen wir die Kultur respektieren, uns anpassen, genau beobachten, etc.. Wenn man nicht unbedingt aus dem letzten Winkel der Welt kommt und etwas gesunden Menschenverstand und Feingefühl mitbringt wird man von den Japanern immer herzlichst empfangen und muss sich keine Gedanken machen. Bei Unsicherheiten sollte man jedoch bei Vertrauten nachfragen um nicht unbewusst in ein tiefes Fettnäpfchen zu treten. So habe ich mich beispielsweise erkundigt, was als Raucher alles zu beachten ist. Es gibt zwar keine niedergeschriebenen Gesetze, welche einem die Raucherei direkt untersagen aber es gibt doch so etwas wie einen Verhaltenscodex. Genaueres dazu kann ich gerne jedem Raucher persönlich mitteilen. Im Allgemeinen gibt es jedoch nur folgendes zu sagen: Rauchen während des Laufens = NO, Rauchen in Bevölkerungsdichten Gegenden (Innenstadt) = NO, Kippe wegwerfen = NONO usw. Ich habe noch gegen keine dieser Regeln verstoßen und werde mich auch bemühen dies weiterhin beizubehalten. Man repräsentiert schließlich nicht nur sich selbst sondern auch ein Teil des Landes.

Im Anschluss an die obig genannte Unterweisung ging es durchs Gebäude um dieses genauer zu besichtigen und offene Fragen der anderen zu beantworten. Was mich positiv überraschte war die Möglichkeit, sich Meetingräume auch zum Meditieren anzumieten. Natürlich kostenfrei. Des Weiteren gibt es im Untergeschoss eine Cafeteria welche sich „Coffee-Time“ nennt. Hier besteht die Möglichkeit einfach nur gemütlich Kaffee zu trinken oder auch zu essen. Dies wird jedoch alles von Studenten der Uni organisiert. Von der Bestellung des Essens beim Großhandel übers kochen bis hin zum servieren. Die Preise sind jedoch im Vergleich zur Mensa sehr hoch. Ein gutes Menu kostet an die 2.000 Yen. Sobald ich mein Stipendium bekomme werde ich mir diesen Luxus aber natürlich einmal gönnen (und berichten). Anbei ein Bild des Gebäudes:



Die Besichtigung beendet hatten wir ausnahmsweise etwas Freizeit. Ich blieb also gleich im Gebäude und checkte Emails, telefonierte via Skype und erledigte Kleinkram der nun einmal liegen bleibt wenn kein Internet verfügbar ist. Schlimm wie abhängig man doch ist.

Am späten Abend trafen wir uns dann alle gemeinsam, um Hiroshima´s Downtown zu erkunden. Zuvor haben wir uns jedoch endlich einen großen Wunsch erfüllt: Okonomijaki! Es war lecker und bis auf die etwas niedrigen Tische auch recht angenehm zu sitzen. Sehr gut gesättigt und 600 Yen ärmer ging es zur Bushaltestelle (etwa 15 Minuten zu Fuß).



Nach etwa 20 Minuten Busfahrt kamen wir mitten im Zentrum des Geschehens an. Aus dem Bus raus und in die erste Kneipe mit dem Namen „Malloy´s Room“ herein vergingen keine 5 Minuten. Zu meiner Überraschung gab es hier alle nur erdenklichen Biersorten (gut, das ist übertrieben, aber die Auswahl war nicht von schlechten Eltern). So genoss ich ein herrliches Bier im 5. Stock mit Blick auf die Flaniermeile der Stadt.

Ein perfekter Kennenlern-Abend und dazu auch noch ein leckeres kühles Bier. Was will man mehr. Nun ja, aus dem Fenster des Irish-Pub, welches mit überraschend vielen Europäern gefüllt war, erspähten wir ein blinkendes Schild in einem Wolkenkratzer: „The Shack – OPEN“.



Nun, was machen Internationals die ein Schild sehen und dessen Bedeutung nicht kennen? Sie gehen hin! Interessanterweise war diese Kneipe im gleichen Stil wie die vorherige und auch gut besucht. Dies mal jedoch überwiegend von Asiaten. Nach kurzer Rücksprache unserer zuständigen Person vom International Office, welche an diesem Abend mit dabei war, bekamen wir auch einen Tisch. Die Bedienungen notierten sich die Namen während sie die Bestellung aufnahmen. Es erinnerte leicht an das Prozedere bei Starbucks. Wer da wohl bei wem abgeschaut hat? Mein Bier kam auf jeden Fall nach kürzester Zeit an und wir unterhielten uns weiter ausgelassen. Um ca. 1:30 Uhr ging es dann auf den Rückweg. Da um diese Uhrzeit keine Busse mehr nach Gion fuhren hieß es ein Taxi ordern. Das Problem hierbei ist nicht das „rufen“ eines Taxis sondern die Frage, wie man die anderen 10 Taxen welche übrig sind auf elegante Weise wieder los wird. Wir entschieden uns für „Schweigen“. Da einige von uns noch etwas Hunger hatten (was sicherlich an der Cheeseburgerreklame lag) wollten wir noch zu einem Mc Donald und einen Mitternachtssnack einnehmen. In Japan übrigens „Maco Donaldo“ gesprochen. Der Taxifahrer fuhr uns etwa 10 Minuten in Richtung Heimat bis wir ein Schild sahen: Mc Donald´s – 24h OPEN. Erst als das Taxi wieder weg fuhr sahen etwa 10 Mann, dass der Laden zu hatte. Jetzt kann man denken was man will. Somit hieß es 30 Minuten Fußmarsch zurück ins Appartement. Hier übrigens ein Bild der Unterkunft:



Nach diesem doch anstrengend Fußmarsch waren wir froh zuhause zu sein. Morgen sollte es schließlich nochmals nach Downtown gehen. Dann aber mit historischem Hintergrund. Ich werde darüber schreiben wenn es die Zeit erlaubt. Bis dahin: Gute Nacht, Benjamin

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