Wie bereits gestern angesprochen sollte es heute wieder nach Downtown gehen. Diese „Downtown-tour“ mit japanischen Studenten und Vertretern des International Office sollte uns einige historische Hintergründe Hiroshimas näher bringen. Los ging es um 10 Uhr. Da wir ja bereits am Vortag mit dem Bus in die City sind hatten wir wenigstens eine grobe Vorahnung wie das Ganze funktioniert. Hier steigt man in die Busse ein, zieht ein Papierkärtchen mit einer Nummer und verfolgt dann aufmerksam die Anzeige im Bus. Die Nummer auf dem Kärtchen entspricht dem zugestiegenen Ort (Haltestelle) und wird dann durch den auf der Anzeige aufleuchtenden Yen-Betrag ergänzt. Das Geld muss man bereits während der Fahrt bereit halten. Sollte man nur Scheine haben so muss man diese während der Fahrt beim Busfahrer wechseln (kleiner Automat) um das Ausstiegsprozedere so schnell wie möglich hinter sich bringen zu können. Die Japaner scheinen Wartezeiten gegenüber sehr abgeneigt zu sein was ich nur begrüßen kann.
In Downtown angekommen wurden wir in kleine Gruppen á ca. 6 Mann eingeteilt und begaben uns auf unsere Tour. Da es mittlerweile kurz nach 11 war ging es erst einmal zum essen. Wir entschieden uns für ein traditionelles japanisches Restaurant. Die Folgen dieser Entscheidung könnt ihr den folgenden Bildern entnehmen. Ich gehe davon aus ca. 10% der mir vorgesetzten Speisen identifiziert zu haben. Der Rest ist ein großes Fragezeichen. Somit wurde auch nicht alles probiert da eine komische Kugel aus Fischinnereien doch nicht so ganz appetitanregend war.
Nach etwa einer Stunde in diesem Restaurant ging es dann auf die angesprochene Tour. Erster Halt war das Hiroshima Castle. Diese Burg liegt mitten in Hiroshima und wurde durch die Atombombe 1946 bis auf die Grundmauern zerstört. In den 50er Jahren dann rekonstruiert konnten wir zumindest einen groben Ein druck davon bekommen, wie es im früheren Hiroshima ausgesehen haben könnte bzw. wie die entsprechenden Herrscher residierten. Ich lass hier mal ein paar Bilder sprechen da es zu viel wäre alle Eindrücke nieder zu schreiben.
Im Anschluss an die Besichtigung der Burg ging es quer durch die City zum Peace Memorial Park. Diese Parkanlage beinhaltet auf der einen Seite den Atombombendom (über diesem Gebäude ist in etwa 600 Metern Höhe die Bombe explodiert und die Mauern stehen bis heute noch – sehr verwunderlich) und auf der anderen Seite eine weitläufige Parkanlage mit einem gigantischen Museum. Da es an diesem Tag ca. 32 Grad hatte und verdammt schwül war gingen wir vor dem Museumsbesuch Eis essen. Ich entschied mich für „Grüner-Tee-Eis“ was nicht so ganz meine Geschmacksrichtung war. Es schmeckt etwa wie Pappe und lässt sich wirklich nur schwer genießen. Zum Glück tauschte einer der jap. Studenten mit mir und ich genoss somit ein Eis das sehr süß und leicht chemisch schmeckte. Jeder kennt das blaue Eis (Schlumpfeis) aus Deutschland. Dieses ungefähr 10 mal süßer. Aber Hauptsache eine Abkühlung.
Nach dieser „Erfahrung“ ging es dann auch ins Museum. Hier gibt es alles zu sehen was mit der historischen Entwicklung Hiroshimas bis zum Zeitpunkt der Bombe und danach zu tun hat. Ich werde hier keine Eindrücke niederschreiben da ich jedem nur empfehlen kann dies selbst zu erleben. Es ist ein sehr bedrückendes Gefühl verbrannte Kleidung von Schulkindern oder stehen gebliebene Armbanduhren zu betrachten. Fotos machen ist in dem Museum nicht erlaubt weshalb ich auch keine präsentieren kann. Es war auf jeden Fall der bewegenste Teil des Tages. Wer weitere Infos möchte schaut bitte hier vorbei:
http://www.pcf.city.hiroshima.jp/index_e2.html
Die Besichtigung des Museums dauerte ca. 2 Stunden. Als wir fertig waren wurde noch ein wenig über das Erlebte diskutiert bis wir dann durch unseren „Guide“ in Richtung City geführt wurden. Da wir noch etwas Zeit hatten probierten wir ein Café aus. Ich hatte schon lange Zeit kein derart Gutes koffeinhaltiges Heißgetränk genossen.
Gegen 19 Uhr verließen wir dann alle wieder geschlossen Downtown und machten uns auf den Weg zurück zu den Appartements. Kurzerhand wurde der Heimweg dann um geplant und etwa 20 Mann (und Frauen) pilgerten in das Appartement unserer indonesischer und portugisischer Mitstreiter. Dass wir dort sicher keine Tee-Zeremonie abhielten könnt ihr euch vorstellen. Ich kann jedoch sagen dass ich mittlerweile ca. 10 verschiedene japanische Biersorten probiert habe. Es stehen also noch einige aus. Um etwa 4 Uhr morgens war ich dann zurück in meinem Appartement und froh mein Klappbett nutzen zu können.
Da wir morgen wirklich so etwas wie Freizeit haben werde ich wohl in die City laufen und Dinge wie neues Besteck, Tasse, Teller und Aschenbecher einkaufen. Der Rest wird gegammelt. Vielleicht noch Wohnung sauber machen und abends bei einem gemütlichen Gerstenwasser den Abend ausklingen lassen. Da am Montag die Uni beginnt werden sich meine Berichte wohl ab sofort kürzer gestalten. Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß am Lesen und wünsche euch alles Gute.
Matane, Benjamin





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